Autor Thema: Paratrachelas maculatus <=  (Gelesen 255 mal)

Hans-Juergen Thorns

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Paratrachelas maculatus <=
« am: 2020-10-18 17:22:05 »
Hallo,
diese etwas lädierte Spinne (5,5 mm) habe ich am 9.10. an einer Hauswand in der Innenstadt von Deggendorf eingesammelt. Nach längerer Suche bin ich bei Paratrachelas maculatus gelandet. Liege ich da richtig? (wäre wohl ein Erstnachweis für Bayern)...
VG Hans-Jürgen
« Letzte Änderung: 2020-10-19 13:11:31 von Hans-Juergen Thorns »

Simeon Indzhov

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Re: Paratrachelas maculatus?
« Antwort #1 am: 2020-10-18 19:36:10 »
100%
Simeon

Hans-Juergen Thorns

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Re: Paratrachelas maculatus?
« Antwort #2 am: 2020-10-19 13:09:55 »
Danke für die Bestätigung! Mal sehen, ob es in den nächsten Tagen einen Eikokon gibt....
VG Hans-Jürgen

Simeon Indzhov

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Re: Paratrachelas maculatus <=
« Antwort #3 am: 2020-10-19 13:43:54 »
Ich habe z. Z. ein so dickes Weibchen aus meinem Garten in Sofia, BG,einen Kokon hat es bisher nicht gegeben (ich habe die Spinne aber auch nicht gefüttert)

Tobias Bauer

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Re: Paratrachelas maculatus <=
« Antwort #4 am: 2020-10-19 13:50:30 »
Falls es irgendwo einen Kokon gibt, bitte versuchen die Tiere aufziehen und dann Weibchen mal nicht verpaaren, aber gut füttern. Es ist extrem auffällig, dass alle verifizierten Nachweise in Mitteleuropa (und ich kenne noch einige mehr als im Atlas) alles Weibchen waren und bisher niemand, sieht man mal von dem Tier ab, das Eckhart fotografiert hat, bisher Männchen gefangen hat... eventuell ist die Art fakultativ parthenogenetisch. Dies würde auch erklären, dass sie niemals in großen Mengen gefunden wird und auch so keine hohe Fortpflanzungsrate haben dürfte (geringe Eizahl/Kokon, wenige, große Eier). Sprich, eventuell reicht ein Weibchen, um eine Population zu gründen.

Wir versuchen das gerade auch bei einem Tier aus Rheinland-Pfalz. Es ist aber immer gut, wenn mehrere Leute das gleichzeitig probieren.

Tobias

Simeon Indzhov

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Re: Paratrachelas maculatus <=
« Antwort #5 am: 2020-10-19 14:10:06 »
Ha, das ist interressant. Vielleicht klappt es aber bei mir mit der Aufzucht nicht auch wenn es zu einem Kokon kommt - ich habe z. Z. viele andere Tiere und Winter kommt bald. Von meinem Haus habe ich aber schon ein Männchen gefunden. Bei Cetonana laticeps dagegen finde ich aber stets Weibchen (bis auf ein subadultes Männchen von 2017), ich erklärte es aber durch collection bias - im Herbst, wann die Männchen reif werden, lebt die Art höher auf den Bäumen, während die befruchteten Weibchen ähnlich wie andere baumbewohnende Arten im Winter niedriger auf dem Stamm überwintern.

Tobias Bauer

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Re: Paratrachelas maculatus <=
« Antwort #6 am: 2020-10-19 14:40:30 »
Auf der Krim wurden auch schon recht viele Männchen gefunden, eventuell ist das im natürlichen Verbreitungsgebiet, zu dem Bulgarien gehört, anders. Wie gesagt, das ist eine Vermutung. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Art in ME oft in Häusern gefunden wird, dort aber noch keine Männchen gefunden wurden. Auch Gajdoš et al (2020, AraMit) haben mit Rindenfallen an Bäumen (!) nur 2 Weibchen in der Slowakei nachgewiesen.


Simeon Indzhov

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Re: Paratrachelas maculatus <=
« Antwort #7 am: 2020-10-19 14:49:06 »
Macht Sinn, und definitiv überprüfenswert! Danke!

Rainer Breitling

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Re: Paratrachelas maculatus <=
« Antwort #8 am: 2020-10-19 18:01:56 »
Die Idee einer peripheren Parthenogenese bei Paratrachelas gefällt mir natürlich sehr. Es gibt aber auch Funde von Männchen im Westen des Verbreitungsgebiets, z.B. aus Frankreich und (nicht unterm Mikroskop verifiziert) aus Belgien. Ob das nur die Ausnahmen sind, die die Regel bestätigen, oder ob sich dadurch das Bild doch eher in Richtung “collection bias” verschiebt, weiß ich nicht. Es bedeutet aber zumindest, dass nicht alle Populationen außerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebietes (ich nehme an: Osteuropa?) von parthenogenetischen Weibchen gegründet wurden. Ich bin sehr gespannt, ob die Nachzuchtexperimente Klarheit bringen.
Beste Grüße,
Rainer

Tobias Bauer

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Re: Paratrachelas maculatus <=
« Antwort #9 am: 2020-10-19 18:10:19 »
Danke für den Hinweis, der Männchen-Nachweis aus Frankreich ist mir neu (ist auch noch recht neu). Aus Wien gibt es ja auch diesen Nachweis von Eckhart hier im Forum (oben kurz erwähnt), der sehr wahrscheinlich ein Männchen der Art war.

Insgesamt ist es nur sehr auffällig. Keine Nachweise von Männchen aus Deutschland (trotz inzwischen 10 Nachweise im Atlas; https://atlas.arages.de/species/1588 + ein neues Weibchen aus Landau bei uns und eines aus Deggendorf). Dazu nur Nachweise von Weibchen aus der Slowakei. Was könnte denn der Grund für diesen Bias sein? Sehr kurze Reifezeiten? Gerade bei freien Jägern sind die Männchen ja mitunter sehr aktiv und werden dann auch mal per Zufall gefunden.

Leider sind uns damals die Eier bei Raumtemperatur auf Watte (leicht feucht) vertrocknet. Sie brauchen wohl mehr Feuchtigkeit als angenommen.

Tobias