Autor Thema: Spinne über den Winter helfen  (Gelesen 236 mal)

Tobias Schuler

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Spinne über den Winter helfen
« am: 2020-10-27 11:17:49 »
Hallo,

seit ein paar Wochen lebt vor meinem Balkonfenster eine kleine Radnetz-Spinne. Ich hatte etwas im Internet geforscht und sie eigentlich als "Brücken-Kreuzspinne" identifiziert (bin absoluter Spinnen-Laie), aber auf diesem Forum hier Fotos gefunden, wonach sie wohl ein Spalten-Kreuzspinne ist. Sie sieht jedenfalls genauso aus, wie auf dem Foto eines anderen Forummitglieds hier: https://forum.arages.de/index.php?action=dlattach;topic=27709.0;attach=202617;image

Sie ist auch nachtaktiv und war, als ich sie zum ersten mal entdeckte, nicht mal halb so groß wie eine Wespe. Mir scheint, sie hat auf der rechten Seite nur drei Beine und das mittlere auf der linken schien mir kürzer zu sein, als ob da ein Glied fehlt. Aber auf dem obigen Foto sieht das genauso aus, wahrscheinlich ist meine Spinne dann doch nicht "behindert".  ;)

Jedenfalls tat sie mir leid, als die Nächte immer kühler wurden und sie immer erfolglos in ihrem Netz saß, so dass ich dann anfing, sie zu füttern. Ich fand in meiner Wohnung mal eine große Schnake, die sicherlich schon tagelang tot und ausgetrocknet war. Die hab ich der Spinne dann ins Netz gehängt und sie hat sich dann auch gleich auf sie gestürzt (durch heftigen Wind hat die Beute in dem Netz "gezappelt", so dass die Spinne gleich raus kam, obwohl es taghell war). Daran hat sie dann ein paar Nächte lang gefressen, wie mir schien. Da mir lebende Insekten leid tun, um sie an die Spinne zu verfüttern - die wollen schließlich auch leben, habe ich dann auf der Straße und in unserer Teifgarage tote Beute für sie gesucht, sie dann ein paar Stunden in eine Schale mit Wasser gelegt, damit die etwas Feuchtigkeit aufsaugen, weil ich mir erhoffte, dass die Spinne die dann leichter fressen kann.  :-\ ;D  Die hat diese ganzen Beutetiere dann aufgesammelt und alle zu einem Bündel nach oben ih ihr Netz geschleppt. Mir schien, dass sie regelmäßig davon fraß. Auch eine Wespe, die sich noch leicht bewegte, aber bereits mehr tot als lebendig war, habe ich ihr mal gegeben, die hat sie dann eingesponnen und natürlich bevorzugt. Jetzt suche ich hauptsächlich Insekten, die zwar noch leben, aber sich kaum mehr bewegen.

Die Spinne ist inzwischen erkennbar gewachsen (seit nunmehr etwa ca. 5 Wochen). Und mich freut es immer, wenn sie Beute annimmt und frisst. Ich kann sie auch ganz bequem beobachten, weil sie genau vor meinem fenster lebt und sich auch nicht durch meine Taschenlampe stören lässt.

Meine Frage ist jetzt aber, ob ich da nichts falsch mache, denn ich würde ihr gerne helfen, den Winter zu überstehen.
Zunächst mal wegen der Beute: ist es okay, wenn ich ihr tote Wespen, Bienen, Spinnen usw. gebe? Und ist es arg dämlich die vorher in Wasser etwas aufzuweichen?  :D
Ich werde im Winter kaum mehr lebendige Beute für sie finden.
Darf ich sie dann pausenlos füttern? Schade ich ihr dadurch nicht? Z.B. dass ich sie davon abhalte, sich einen Winterunterschlupf zu suchen, weil sie immer noch Beute findet und deshalb evtl. durch die Kälte umkommt? Oder wird sie den ganzen Winter vor meinem Fenster bleiben (ich habe vor dem Fenster inzwischen rein richtiges Beute-Knäuel hängen - sieht nicht sehr appetitlich aus, aber da ich wegen Corona zur Zeit sowieso keinen Besuch habe, ist mir das egal - spätestens im Frühling werde ich das dann entfernen)?

Kann man Spinnen auch überfüttern? An manchen Abenden ist sie ganz passiv, kann nicht erkennen, dass sie frisst, sondern sie sitzt dann nur ganz ruhig in ihrem Netz.

Ihr Netz erneuert sie nur sehr sporadisch und die Fäden reißen ganz leicht und kleben nicht richtig (wollte ihr auch mal eine fette Hummel ins Netz hängen, die fiel aber immer wieder raus, weil sie zu schwer war, allerdings hatte ich die vorher auch "aufgeweicht"  :D ). Liegt vielleicht an der Jahreszeit.  :-\

Wäre super, wenn man mir hier vielleicht ein paar Tipps geben könnte, vor allem aber mich darauf hinweisen, wenn ich etwas falsch mache.  :)

LG,
Tobi

Guido Hammer

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Re: Spinne über den Winter helfen
« Antwort #1 am: 2020-10-27 18:25:19 »
Ich bin absolut kein Experte, aber soweit ich weiß bevorzugen fast alle Spinnen quicklebendige Beute. Gerade die Bewegungen der Beutetiere (vor Allem) im Netz sind ja Schlüsselreiz für den Beutefang. Ich glaube auch nicht dass es sinnig ist Nahrung "einzuweichen". Der Fressvorgang der Spinnen beinhaltet ja ohnehin die externe Verflüssigung sozusagen. Zu guter Letzt macht die "Fütterung" von Spinnen (mit Ausnahme von Terrarien oder anderen künstlichen Habitaten) wenig Sinn. Im schlimmsten Fall hält dies die Spinne davon ab einen für sie günstigeren Standort aufzusuchen. Eine ähnliche Befürchtung hast du ja schon selbst geäußert.
Nuctenea umbratica überwintert meines Wissens nach recht erfolgreich, ich würde mir da nicht allzu viele Sorgen machen.
Aber wie gesagt, bin kein Experte. Freu mich drauf verbessert zu werden  ;)

Guido

Tobias Schuler

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Re: Spinne über den Winter helfen
« Antwort #2 am: 2020-10-27 20:46:38 »
Danke, Guido, für die Antwort!  :)
Deswegen dachte ich mir ja, dass ich lieber mal frage. Nicht dass ich mir einrede, dass ich der Spinne etwas Gutes tue und ihr in Wirklichkeit aber eher schade.

Das mit dem Einweichen, kam daher, das ich nicht weiß, wie Insekten verrotten. Säugetiere werden ja bakteriell zersetzt, Insekten scheinen mir eher komplett auszutrocknen. Deswegen habe ich gedacht, dass die Proteine evtl. noch einigermaßen vorhanden sind, und nur die Flüssigkeit, also Wasser, fehlt. Dass Spinnen ihre Nahrung mit Speichel vorverdauen und diese Masse dann aufsaugen, habe ich auch mal irgendwo aufgeschnappt. Aber ob die soviel "Spucke" zusammenbekommt, um eine ausgetrocknete Biene zu verflüssigen? Die kann die ja nicht wie Knäckebrot fressen.  ;) Jedenfalls habe ich ihr mal eine große, tote Spinne, die ich in der Tiefgarage fand, etwas eingeweicht. Und auf der saß sie dann nächtelang rum und hat wohl gefressen. Die große Spinne sieht jetzt etwas "verschrumpelt" aus, vielleicht ist sie nur weiter ausgetrocknet.  :-\

Aber wo soll sie jetzt im Winter einen besseren Futterplatz finden? Die ist doch darauf angewiesen, dass ihr was ins Netz flattert. Und im Winter fliegen ja keine Insekten umher. Anders als Laufspinnen kann sie ja nicht der Beute hinterherjagen. Ich wohne auf dem vierten Stock. :-\

Im Moment sitzt sie kopfüber über einer Biene, welche ich vor einer Woche auch in totem Zustand fand und ihr ins Netz gehängt habe. Die hat sie zwei Nächte lang komplett ignoriert (wahrscheinlich nicht als Beute erkannt), bis sie dann wohl beim Netzausbessern drübergestolpert ist. Dann ist sie die nächsten Nächte immer wieder darauf gesessen (die Spinne ist jetzt etwa so groß wie der Oberkörper + Kopf einer Wespe - eher noch etwas kleiner). Und jetzt hängt sie über der Biene mit beiden Vorderbeinen auf der Biene, als ob sie sie hüten wollte.  :D

Wenn man diese Tiere etwas intensiver beobachtet, wie sie leben, dann bekommt man eine ganz andere Sichtweise. Ich bin eigentlich Spinnenphobiker, aber die ist richtig niedlich.  :)
 Aber vielleicht ist es wirklich besser, wenn ich sie einfach in Ruhe lasse.  :-\  ;)

Guido Hammer

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Re: Spinne über den Winter helfen
« Antwort #3 am: 2020-10-28 14:52:14 »
Ich bin sehr beeindruckt über dein Engagement bezüglich der kleinen Spinne vorm Fenster, gerade trotz Phobie.  Das ist Klasse.
Ob es der Spinne schadet, tote Nahrung zu verzehren weiß ich auch nicht. In dem Fall könnte man immer noch auf entsprechendes Lebendfutter aus dem Zoofachhandel zurückgreifen (Drosophila o.ä).
Und der Standort den sie sich bei dir gesucht hat könnte genauso gut auch perfekt für sie sein.
Wollte dich nicht entmutigen. Eher etwas beruhigen, dass die kleinen Krabbler in der Regel sehr gut auch alleine klarkommen können.
In dem Sinne, kümmer dich mal ruhig weiter um sie und probiere Dinge. Wenns ihr zu bunt wird, wird sie schon flüchten. Ist ja keine Gefangene.

Guido

Tobias Schuler

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Re: Spinne über den Winter helfen
« Antwort #4 am: 2020-10-28 17:40:32 »
Wenn ich eine Spinnenphobie habe, bedeutet das ja nicht, dass ich Spinnen hasse oder verabscheue, ich kann sie bloß nicht anfassen und habe wirkliche Angst vor ihnen.  :D
Aber ich finde sie trotzdem faszinierend. Bei Schlangen geht es mir genau so. Furcht davor aber äußerst interessant, die geschmeidigen Bewegungen und überhaupt weil sie so "anders" sind.  ;)

Lebendfutter kommt für mich nicht in Frage, außer ich bin mir sicher, dass es die Beute sowieso nicht mehr lange macht, also wenn sie sich zwar noch etwas bewegt, aber nichts mehr mitbekommt. Für mich ist jedes Leben gleichwertig und jeder hat das gleiche Recht zu leben; wer auch immer sich diese Welt "ausgedacht" hat - dass viele Lebewesen sterben müssen damit ein einziges überleben kann, war eher ein teuflischer als ein göttlicher Einfall. (Sorry für diese Pseudophilosophie.  ;) :) ) Da würde ich lieber die Natur Schicksal spielen lassen und entscheiden lassen, wer überlebt.

Ich habe ihr jetzt nochmal eine Biene gegeben, die ich schon seit Tagen aufgehoben habe. Ich habe sie so ins Netz platziert, dass sie automatisch an ihr vorbei muss, wenn sie zu der oben erwähnten Biene läuft, die in letzter Zeit immer erste  Anlaufstelle ist, wenn sie nach Sonnenuntergang rauskommt.  :)