Autor Thema: Thomisus zyuzini ist anscheinend ein jüngeres Synonym von Thomisus hilarulus  (Gelesen 219 mal)

Simeon Indzhov

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Thomisus hilarulus Simon, 1975 ist zur Zeit ein Synonym von Thomisus onustus. Ich habe allerdings bei Comellini (1957) unter diesem Namen Zeichnungen mit einer anderen Anordnung der Tibialtuberkeln, als bei Thomisus onustus, die die von Thomisus zyuzini gleicht. Comellini schreibt, soweit Google Translate sagt, dass die Abbildungen nach Exemplsren aus Simons Sammlung stammen. Ich habe deswegen die Originalbeschreibung von Simon mir angeschaut und dort stehen ganz eindeutige Unterschiede zwischen onustus und der direkt darunter beschriebenen hilarulus: letztere habe dunkle Beine und dunkles Cephalothorax, eine kurze VTA, die Einführungöffnungen der Epigyne seien wie zwei nahe liegende schwarze Punkte (schräg und weit getrennt bei onustus). Diese Unterschiede von onustus lassen sich bei der Beschreibung von Thomisus zyuzini auch sehen: beim Weibchen (figs. 6-9) und beim Männchen (figs. 17, 19, Tabelle auf S. 145).
Simeon

Rainer Breitling

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Hmm, gute Beobachtung – die Übereinstimmung ist überzeugend. Diese Synonymie würde ja das bekannte Verbreitungsgebiet von Th. zyuzini enorm erweitern. Urones war aber der Meinung, dass Simons Material durchaus in den Rahmen der bekannten Variation von Th. onustus fällt. Und Ono & Martens zitieren Logunov mit der Ansicht, dass hilarulus = onustus, nicht zyuzini, während sie selber sogar meinen, alle drei Formen unterscheiden zu können. Strands meridionalis wäre übrigens auch ein Kandidat als hilarulus-Synonym, aber er sah da eher eine intraspezifische Variation (und er war ja nicht gerade zurückhaltend, was das Beschreiben neuer Arten angeht).
Beste Grüße,
Rainer

Simeon Indzhov

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Danke für die Antwort! Ich finde allerdings diese Entscheidungen eher verwirrend: Urones ignoriert eher die Farbunterschiede ("in einer solchen farbenvariablen Art") und behauptet, es gäbe keine Unterschiede im Palpus. Grob gesehen, stimmt das zwar (gleicher Bulbus, ähnliche Anordnung der Tibialapophysen), ich wundere mich, ob das nicht alleine eine Interpretationssache ist? Bei Weibchen ist die Argumentation etwas überzeugender (auf Jahreszeit z. B. basiert), schließt aber Überlappung bei beiden Arten oder sowas nicht aus.
Ono & Martens scheinen ganz streng typologisch vorsugehen und der Anordnung der Tibialtuberkeln Priorität zu geben, indem sie hilarulus (vielleicht aufgrund der 4 oder mehr großen Tuberkeln) als wahrscheinlichsten Kanidadten sehen. Ihr Material stammt aber aus dem bekannten Verbreitungsgebiet von Thomisus zyuzini, wie es sich herausstellt, und die Größe der ventralen Tuberkeln ist vielleicht variabel (bei Kiany et al. (2017) sind sie größer als bei Marusik & Logunov. Selbst beim Comellinis Exemplar sind die ventralen Tuberkeln leicht kleiner als die medianen und bei diesem tunesischen Exemplar gleichen sie dem von Kiany et al. Zu Logunovs pers. comm. - interressant. Kann es sein, dass diese auf die Arbeit von Urones bezogen ist?
Und Strand hat ja trotz Zweifeln und Abwesenheit von Weibchen eine neue Unterart beschrieben - ich kann mir aber eine Vorgehensweise wie bei Urones vorstellen.

Simeon

Edit: oder es handelt sich lediglich um eine Art, wie Strand interpretiert hat?
« Letzte Änderung: 2020-12-05 18:04:15 von Simeon Indzhov »

Rainer Breitling

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Edit: oder es handelt sich lediglich um eine Art, wie Strand interpretiert hat?
Das wäre natürlich mein erster Verdacht. Auf jeden Fall zeigen die verwirrend vielfältigen Interpretationen in der Literatur, dass die Sache nicht ganz einfach ist. Ein weiteres Beispiel für eine Art(engruppe), die genauere Untersuchungen erfordert.
Beste Grüße,
Rainer