Autor Thema: Das Donauknie und seine Insel  (Gelesen 4089 mal)

pfeiffer

  • Gast
Das Donauknie und seine Insel
« am: 2009-04-05 19:31:32 »
Heute haben wir mit Hilfe der HEV, dem Vorortzug, der an der Donau entlang fährt, einen Ausflug nach Szentendre gemacht. Szentendre liegt nördlich von  Budapest und ist als ehemalige Künstlerkolonie ein beliebtes wenn auch sehr touristisches Ausflugsziel. Gegenüber findet man eine riesige Insel (Länge: 33 km, Breite: 3,8) mitten in der Donau, die nördlich bis Duna-Ipoly Nemzeti Park (Ungarns größte NSG?) herausragt -- die Patella in der "Donauknee".

Google-Karte

Eine Passagierfähre bringt die wenigen Leute (meistens Radfahrer) die sich für diese Insel interessieren stündlich hinüber und zurück. Mit dieser Fähre sind wir auch gefahren. Unser Aufenthalt war kurz und wir sind nicht besonders weit vom Steg gewandert (mit kleinem Kind), aber es gab trotzdem viel zu erleben und genießen. Mir gefällt es besonders wenn die Spinnen von sich alleine in den abgelegenen Kescher einkrabbeln (Walckeneria antica/alticeps Männchen, z.B.)

Hier meine kleine Liste (Bilder kommen später):

 - W. alticeps/antica Männchen
 - Heliophanus sp. Männchen
 - Cercidia prominens Männchen
 - Ebrechtella tricuspidata Männchen
 - ein großes dunkles Pardosa Männchen (P. wagleri???)
 - eine Philodromus-Art (Jungtier, denke ich)

Die Pardosa ist ziemlich groß (7-9mm schätze ich) und macht einen überwiegend dunklen-schwarz Eindruck -- so gut wie ohne Muster. Drüber liegen feine "goldgraue" Haaren. Die Beine sind etwas heller (also dunkel grau) und hinten auf dem Prosoma merkt man den kleinsten Hauch von hellgrauen Haaren. Das Tier scheint erwachsen zu sein. Wie gesagt -- die Bilder kommen heute noch, hoffe ich.

Diesen Ort werden wir sicher mal wieder besuchen.

-Kevin

Angehängt...

1) Karte vor Ort (Legende teilweise auf dem nächsten Foto)
2) Es geht um die Natur (Schild vor Ort, leider auf englisch, aber die Alternative wäre ungarische gewesen)
3) Radfahrer kehreh zurück von der Insel
4) Hochwasser (Insel rechts, Richtung Nord)



« Letzte Änderung: 2009-04-05 21:44:11 von Kevin Pfeiffer »

pfeiffer

  • Gast
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #1 am: 2009-04-06 22:52:39 »
Walckenaeria alticeps (Denis, 1952)

Der kleine, der eigentlich nicht so klein ist, war auf meinem Kescher. Die Messungen stimmen mit Roberts überein.

-K
« Letzte Änderung: 2009-04-06 22:55:04 von Kevin Pfeiffer »

Arno Grabolle

  • ******
  • Beiträge: 14437
    • mein g+
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #2 am: 2009-04-07 00:23:54 »
Schöne Fotos! Die Art wird hier langsam inflationär. Bastian hatte die neulich auch schon vorgestellt.

Arno

pfeiffer

  • Gast
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #3 am: 2009-04-07 04:50:35 »
Bastian hatte die neulich auch schon vorgestellt.

Ach, ja -- sorry, Bastian.

-K

Bastian Drolshagen

  • ****
  • Beiträge: 1163
  • MTB 6916 FTW!!!
    • Dipluridae.de
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #4 am: 2009-04-07 10:31:20 »
Moin,
wieso sorry?

Doofe Frage: Wie unterscheidet man denn W. antica und W. alticeps? Der Best.Schl. vom SpiMi gibt da meiner Meinung nach wenig konkrete Angaben... weit und eng geschwungen sind Begriffe, die man auslegen kann. Abgesehen davon denke ich, dass es sich dabei (wenn sich die Art sonst nicht unterscheidet) auch um Schwankungen innerhalb der Art handeln kann, also eine Synonymie vorliegen könnte. Nach den "3 großen Kriterien" unterscheiden sich die 2 Arten ja nicht wirklich, oder?

pfeiffer

  • Gast
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #5 am: 2009-04-07 13:15:49 »
Doofe Frage: Wie unterscheidet man denn W. antica und W. alticeps? Der Best.Schl. vom SpiMi gibt da meiner Meinung nach wenig konkrete Angaben... weit und eng geschwungen sind Begriffe, die man auslegen kann. Abgesehen davon denke ich, dass es sich dabei (wenn sich die Art sonst nicht unterscheidet) auch um Schwankungen innerhalb der Art handeln kann, also eine Synonymie vorliegen könnte. Nach den "3 großen Kriterien" unterscheiden sich die 2 Arten ja nicht wirklich, oder?

Hi, Bastian-

ich wollte deine "Moment of Glory" nicht wegnehmen (im Sinne von "ja, ich habe auch...").

Was der aktuelle Stand zur Art bzw. den Arten ist, kann ich nicht sagen. In dem anderswo erwähnten Roberts Band III bemerkt er:
W. antica: "dry habitats in woodland litter and grassland"
W. alticeps: "prefers wet habitats in sphagnum and moist litter"

Zur Unterscheidung bietet er 2 Merkmale an (die sich eigentlich darauf basieren, das er W. alticeps als die großere Art betrachet):

1. Außendurchmesser des Embolus-Kreises (ein bisschen anders gemessen als ich das getan habe, aber so ungefähr)

  0,21 - 0,24 mm : W. antica
  0,27 - 0,31 mm : W. alticeps

2. Breite des Kopfes

 0,19 - 0,22 mm : W. antica
 0,22 - 0,26 mm : W. alticeps

Was Du mit den "3 großen Kriterien" meinst, verstehe ich leider nicht.

Schöne Grüße

-K

« Letzte Änderung: 2009-04-07 13:17:40 von Kevin Pfeiffer »

Bastian Drolshagen

  • ****
  • Beiträge: 1163
  • MTB 6916 FTW!!!
    • Dipluridae.de
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #6 am: 2009-04-07 18:20:20 »
hi Kevin,
mach dir da mal keine Gedanken, ist nur ein Nachweis ;-)
Größenunterschiede und Habitatpreferenzen sind ja nicht wirklich Unterscheidungsmerkmale würde ich mal behaupten. Hab mir mal die Epigynen dazu angeschaut (Zeichnungen im SpiMi) und da gibts auch nur minimale Unterschiede. Ich bin jetzt nicht so in der Materie (Linyphiidae) drin, aber von meiner derzeitigen Sicht würde ich sagen, dass man den Artstatus von W. alticeps durchaus anzweifeln kann.
Ich meinte die 3 Homologiekriterien: http://de.wikipedia.org/wiki/Homologie_(Biologie)#Homologiekriterien

Wenn etwas watschelt wie ne Ente und quakt wie ne Ente...

pfeiffer

  • Gast
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #7 am: 2009-04-07 21:36:04 »
Größenunterschiede und Habitatpreferenzen sind ja nicht wirklich Unterscheidungsmerkmale würde ich mal behaupten. Hab mir mal die Epigynen dazu angeschaut (Zeichnungen im SpiMi) und da gibts auch nur minimale Unterschiede. Ich bin jetzt nicht so in der Materie (Linyphiidae) drin, aber von meiner derzeitigen Sicht würde ich sagen, dass man den Artstatus von W. alticeps durchaus anzweifeln kann.

Das kann gut sein, aber für sowas fehlt mir nicht nur die Kompetenz. Vielleicht hat jemand schon etwas darüber geschrieben, aber in der SpiMi findet man noch die beiden Arten (dafür hat Aloys nur W. alticeps in der Galerie).

Zitat
Ich meinte die 3 Homologiekriterien: http://de.wikipedia.org/wiki/Homologie_(Biologie)#Homologiekriterien

Danke, ich schaue das an.

Schöne Grüße

-K

Bastian Drolshagen

  • ****
  • Beiträge: 1163
  • MTB 6916 FTW!!!
    • Dipluridae.de
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #8 am: 2009-04-08 10:33:51 »
hi Kevin,
wenn dazu jemand was geschrieben hätte, dann würde W. alticeps wahrscheinlich als junior synonym von W. antica angesehen werden (siehe jeweiliges Jahr der Beschreibung).
Ich hab hier ja auch lediglich mal ne Vermutung geäußert - werde es tunlichst unterlassen da irgendwas zu zu schreiben ;-)
Abgesehen davon, dass ich auf meinem Feld noch viel vor mir habe, fehlt mir wie bereits schon geschrieben das nötige Wissen und ich habe bisher auch nur 1(!) Männchen von W. antica unterm Bino gehabt. Meine Meinung dazu basiert lediglich auf den Zeichnungen und Angaben aus dem SpiMi Schlüssel.

pfeiffer

  • Gast
Noch eine... im Kescher gefunden. Sehr schön, die hellgrüne Farbe, eine richtige "Osterspinne" (leider bin ich z.Z. ohne Digitalkamera, d.h. nur Mikrobilder). Die tibialen Apophysen sind leider schwierig zu erkennen (wenn man nicht weißt genau wo man hinkucken muss).

@Arno, würdest Du für die Wiki den Umriss dieser Features aufhellen wollen? Ich habe hier kein Tablett und Illustrator auch nicht. (Nicht dass man den Pedipalpus anschauen muss um diese Spinne zu erkennen.)

-K
« Letzte Änderung: 2009-04-14 10:07:08 von Kevin Pfeiffer »

Arno Grabolle

  • ******
  • Beiträge: 14437
    • mein g+
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #10 am: 2009-04-08 22:09:11 »
Ja, kann ich machen. Ich hoffe, ich erkenne alles richtig. Mit Unterstützung der Zeichnungen in den SpiMi werd ichs versuchen.

Arno

---> so ungefähr? Bei dem vorderen „Haken“ bin ich mir unsicher, ob ich das richtig erkannt habe.
« Letzte Änderung: 2009-04-08 22:21:30 von Arno Grabolle »

pfeiffer

  • Gast
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #11 am: 2009-04-09 01:45:11 »
---> so ungefähr? Bei dem vorderen „Haken“ bin ich mir unsicher, ob ich das richtig erkannt habe.

Ich konnte auch nichts vorne erkennen. Kann sein, dass etwas beim Aufnehmen schief gelaufen ist. Nachdem ich die SpiMi und Roberts noch mal angeschaut habe, würde ich sagen: mehr in die Richtung "Nabe" (stumpfiger) und weniger Hakenartig.

Danke!

Arno Grabolle

  • ******
  • Beiträge: 14437
    • mein g+
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #12 am: 2009-04-09 08:36:39 »
Gut, ich korrigiere es heute Abend nochmal.

Arno

Arno Grabolle

  • ******
  • Beiträge: 14437
    • mein g+
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #13 am: 2009-04-13 19:13:17 »
So, 2. Versuch.

Arno

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 15118
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #14 am: 2009-04-14 08:35:55 »
Mal grundsätzlich:

@Arno & Kevin:
Wenn ich nicht wüsste, dass ich das selbe Trino-Modell hätte wie Ihr, würde ich annehmen, ich bräuchte ein neues. Bei mir werden die Trino-Bilder immer nicht annähernd so gut wie bei Euch. In Nullkommanichst ist die Untersuchungsflüssigkeit eingetrübt und auch mit Heliconfocus lässt sich nicht viel rausholen.

Manchmal denke ich, ich habe fotografisch zwei linke Hände.

Martin
Profil bei Researchgate.net – Spinnen-News aus SH

DAS waren noch Zeiten: Norwegen 2011.

Arno Grabolle

  • ******
  • Beiträge: 14437
    • mein g+
Re: Das Donauknie und seine Insel
« Antwort #15 am: 2009-04-14 08:39:57 »
Na, für die Untersuchungsflüssigkeit kann ja das Trinio nichts ;)

... ich ntworte heute Abend ausführlicher, muss jetzt zur Arbeit. Vielleicht sollt eman einen neuen Thread aufmachen.

Arno