Autor Thema: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren  (Gelesen 2593 mal)

pfeiffer

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Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« am: 2009-05-14 14:22:02 »
Keiner will umsonst ein Tier umbringen, aber in vielen (eigentlich in den meisten) Fallen mit Spinnenarten ist genau das nötig um  eine zweifellose Bestimmung machen zu können. Für die Fotografen, die nicht  bereit sind, ihre gesammelte bzw. gefundene Spinnen zu töten, gibt es vielleicht eine Alternative. Das amerikanische Team Gayle und Jeanell Strickland machen regelmäßig ausgezeichnete Bilder von verschiedenen Spinnen- und Insektenarten aus mindestens 3 Blickwinkel und häufig 5 (dorsal, lateral, anterior, ventral, anterodorsolateral): http://bugguide.net/index.php?q=search&keys=spdgs&search=Search

Die Beleuchtung ist gut, die Beinstellung auch, und man merkt schnell, dass sie eine ziemlich gepflegte und konsequente Arbeitsmethode haben. Gleichzeitig arbeiten die immer mit noch lebenden Tieren, die nachher wieder in der Natur aufgesetzt werden. Hier wird die Arbeitsmethode (kleine Drehbühne, Staubentfernungssprühdose zum Einschlaffen) kurz zusammengefasst:

The subject is lightly sedated with the canned gas used for blowing off dust on optics, then placed on a small stage that can be rotated or tilted. As it recovers it will move slightly if nudged with a toothpick, and will usually stop in a natural position. Then, working quickly, the subject is photographed, taking care not to further disturb it unless a different position is desired.

Das Einzige, was meistens fehlt, ist die Genitalbestimmung. Aber warum? Es ist mehrfach erwähnt und bewiesen worden, dass Spinnen problemlos ins Wasser getaucht werden können. Meiner Meinung nach könnte mann die oben beschriebenen Arbeitsmethode auch für Genitalbestimmungen an lebenden, kurz unter Wasser getauchten Spinnenarten verwenden. Nur wenn eine Präperierung nötig wäre, kommt man dann nicht weiter.

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« Letzte Änderung: 2009-05-14 14:25:47 von Kevin Pfeiffer »

Michael Hohner

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Re: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« Antwort #1 am: 2009-05-14 14:32:41 »
Mich wuerde hier interessieren, mit welchem Gas genau hier betaeubt wird, und wie man das macht, ohne durch den Luftzug die Tiere erstmal wild zu machen.

Eine leichte Sedierung waere oefter von Nutzen, besonders bei Arten die kaum anders lebend zu fotografieren sind, z.B. viele Gnaphosidae, Salticidae.

pfeiffer

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Re: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« Antwort #2 am: 2009-05-14 14:51:37 »
Mich wuerde hier interessieren, mit welchem Gas genau hier betaeubt wird, und wie man das macht, ohne durch den Luftzug die Tiere erstmal wild zu machen.

Eine leichte Sedierung waere oefter von Nutzen, besonders bei Arten die kaum anders lebend zu fotografieren sind, z.B. viele Gnaphosidae, Salticidae.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aber in diesem Fall: "Those dust blower things contain di-, tri- or tetrafluoroethane, which is also commonly used as simply a propellant in other products. This chemical just puts the spider asleep for awhile so it can be manipulated."

-K



Bastian Drolshagen

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Re: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« Antwort #3 am: 2009-05-14 15:51:41 »
hi,
geht auch einfach mit CO-2. Wenn ich genitale Bestimmung an lebenden Tieren mache, dann wie folgt:

Utensilien: 1 Petrischale, 1 Uhrglasschale, Watte

Spinne kommt in den Boden der Petrischale, Uhrglasschale drauf, Watte drauf, Deckel der Petrischale drauf, umdrehen unters Bino und los gehts.
Die Spinne hat unter der Uhrglasschale zu wenig Platz um sich wirklich gut bewegen zu können und bleibt daher meist einfach regungslos sitzen. Die Uhrglasschale hat aber auch zu wenig Gewicht um das Tier darunter ernsthaft zu verletzen.
So kann man in aller Ruhe untersuchen ohne das Tier abzutöten.

Guido Gabriel

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Re: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« Antwort #4 am: 2009-05-14 17:18:20 »
Ich mach das ohne Uhrglasschale. Einfach Spinne in ne Petrischale, Watte drauf und ab unters Mikro.
Ist nur ne kleine Übungssache.
Auf diese Weise sondiere ich zumindest nach adult und nicht adult

LG Guido

Michael Hohner

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Re: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« Antwort #5 am: 2009-05-14 17:36:40 »
Mir ging's hier weniger um Epigynenuntersuchung am lebenden Tier, sondern eher um normale Habitusaufnahmen von "hektischen" Arten.

Bastian Drolshagen

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Re: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« Antwort #6 am: 2009-05-14 19:27:54 »
hi Guido,
das mache ich mit Federstahlpinzette direkt unterm Bino, geht schneller und ist für das Tier genauso stressig (denke ich).

Alexandra

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Re: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« Antwort #7 am: 2009-05-15 09:16:55 »
Kevin, der Link ist total klasse! Danke! ^^

Aber was ist mit sedieren mittels Kälte?

Arno Grabolle

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Re: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« Antwort #8 am: 2009-05-15 09:57:28 »
... verträgt sich nicht mit Blitzlicht und Fotostudio.

Das Konzept finde ich gut (mach das ja im Grunde ähnlich). Das Sedieren gefällt mir aber nicht. Ganz ehrlich ... man sieht es, dass die Spinnen nicht „ganz da“ sind. Die Beinhaltung ist zwar besser, als bei Alkoholpräparaten, aber immernoch nicht ganz natürlich.

Aber ich will nicht meckern. Besser so, als gar keine Fotos.

Arno

Antje Schulte

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Re: Die Bestimmung von noch lebenden Tieren
« Antwort #9 am: 2009-05-15 10:00:12 »
Sehr interessant! Die Fotos sind schon nett, der weiße Hintergrund macht es sicher einfacher, Details zu erkennen. Bei mir steht die Bestimmung nicht gerade im Vordergrund, schon weil ich mir nicht zutraue, es ordentlich hinzubekommen. Deshalb kommt für mich nicht mal in Frage, die Tiere einzufangen - zuviel Stress für die Tiere bei sehr zweifelhaftem Nutzen (und ich finde sie im Habitat für meine Zwecke interessanter). Aber das klingt nach einer guten Technik für euch Profis.

Antje