Autor Thema: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina  (Gelesen 10622 mal)

Arno Grabolle

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Hallo Forum,

ich will versuchen einen kurzen Bericht über unsere Sammelexkursion von 22. bis 26 Mai in Kroatien und Bosnien zu schreiben. Da ich selbst wenig zum Fotografieren gekommen bin und meine wenigen Fotos noch nicht nachbearbeitet sind, werden die nachgereicht bzw. werden die anderen Exkursionsteilnehmen ihre Fotos anhängen. Die Artenlisten sollten in gesonderten Threads veröffentlicht werden.

Exkursionsteilnehmer

– Mario Freudenschuss aus Österreich (Organisator und seelischer Mittelpunkt der Gruppe)
– Johannes Nigl aus Österreich (bester Kumpel von Mario und Stichwortgeber für heitere Dialoge zwischen den beiden)
– Rudi (Rudolph) Rabé aus Wien (fährt immer mit um sich vor Ort zu entspannen, sonnen, kiten oder tauchen)
– Dragen (ich weiß nicht, wie man den Namen schreibt) aus Österreich (gebürtiger Bosnier, später in Kroatien, Arbeitskollege von Mario, begleitete uns als Ortskundiger (was v.a. bei den vielen Grenzübertritten sehr Hilfreich war), wir wohnten in Kroatien in der Pension seiner Eltern)
– Philipp Kukral aus Österreich (Eleve der Truppe)
– Walter Pfliegler aus Ungarn (Biologie-Promotionsstudent, der sich einfach für alle Tiere, Pflanzen und Dinge dazwischen interessiert und alles fotografiert)
– Henrik Krähenwinkel aus Deutschland (Biologie-Promotionsstudent, der immer auf der Suche nach Argiope bruennichi ist, diesmal nur zwei Tage dabei)
– Martin Lemke aus Deutschland (den kennt ihr ja)
– ich

Anreise

Ich stieg am Samstag 13 Uhr in den Zug und kam 20 Uhr in Linz (Österreich) an. Dort hatten sich die Österreicher schon gesammelt und standen mit dem Kleinbus am Bahnhof bereit. Der Kofferraum war schon mit einigen Paletten Bier gefüllt, denn das darf auf diesen Reisen nicht fehlen ;)
Mit dem Bus ging es dann gen Süden, über Slowenien nach Zagreb (Hauptstadt von Kroatien). Hier holten wir Walter gegen 0 Uhr von Bahnhof ab. Am Sonntag gegen 6 Uhr erreichten wir etwas übernächtigt und gut durchgeschüttelt unseren Zielort Trogir an der Kroatischen Küste. Hier holten wir Martin und Henrik aus ihrem Hotel ab. Die beiden waren mit dem Flieger schon am Vorabend angereist.

Unsere Unterkunft (Basislager) war eine kleine Pension auf der Insel Ciovo, die von Dragens Eltern vermietet wird. Die Insel und der Ort Trogir mit historischer Altstadt sind ein ziemlicher Touristenmagnet. Hier vermietet jeder, der ein Haus hat irgendwie Zimmer. Wir waren aber zum Glück vor der Saison da, sodass wir fast die einzigen Touristen auf der Insel waren.

Exkursionen

Eine Pause gönnten wir uns nicht. Gleich nach einem kleine Frühstück machten wir uns daran, die Insel zu erkunden. Am Sonntag noch untersuchten wir für jeweils 2 bis 2,5 Stunden
1. den Nordhang der Ostspitze mit Kiefernwald und Olivenhainen
2. den Kamm und die steile Südseite der Ostspitze mit Olivenhainen und Felsen.
3. Ein Plateau in der Inselmitte mit mediterraner Wiese, Steinmauern und -haufen

Die von Menschenhand aufgeschichteten Steinmauern bilden ein typisches Landschaftselement in dieser Region. Sie umgrenzen oft kleine Flächen (30 bis 50 m2) in denen ein paar Olivenbäume stehen oder sie dienen der Einfassung von Grundstücken. Diese Mauern und Haufen sind Lebensraum für einige immer wieder gefundene Spinnenarten wie Philaeus crysops und Holocnemus pluchei. In schattigen Ecken am Fuße der Mauern wuchs etwas dichteres und höheres Gras. Hier hatte ich ein unerwartetes Wiedersehen mit Trabea paradoxa.

Am Montag hatten wir zwei Exkursionsziele:
4. einen Hügel oberhalb von Trogir. Hier gab es vor allem trocken-heiße Rasengesellschaften mit vielen Kalksteinen, Felsen und ein paar Büschen.
5. den Unterlauf eines Flusses südlich von Split. Der Waldrand und breite Schilfgürtel hielten einige Überraschungen für uns bereit. Unter anderem fand Martin ein Olios-Weibchen.

Am Dienstag brachen wir gen Bosnien-Herzegowina auf. Die etwa 170 km Strecke führte uns weit ins Landesinnere und in die Berge. Der Zielort Bugojno liegt auf 600 m Höhe. Zwischendurch überquerten wir aber einen Pass auf ca. 1300 m Mehreshöhe.

Die Fahrt führte durch beeindruckende, teilweise bizarre Hochplateaus. Zwischendurch machten wir an interessanten Stellen immer wieder spontan Zwischenstops um zu sammeln:
6. an einer sandigen Abbruchkante am Rande einer weiten Aufschüttungsebene
7. auf einem Plateau mit Trockenrasen und Eichengebüsch-Wald (bereits in Bosnien)

Unterwegs überlegte sich Dragen, uns nicht, wie geplant in seinem kleinen Haus in Bugojno sondern in einem kleinen Hotel in einem entlegenen Bergtälchen unterzubringen. Im Nachhinein betrachtet war das eine der besten Ideen – die Umgebung des Hotels war traumhaft schön und das Hotel obendrein (für uns Mitteleuropäer) unerhört günstig (Martin schrieb bereits darüber). Am Nachmittag war also noch mal Sammeln angesagt:
8. Bergtal mit hangigen Trockenrasen und Laubwäldern. Auch der Bergbach mit moosüberwachsenen Flanken hielt interessante Funde bereit.

Die Spinnenfauna hier machte einen auffällig mitteleuropäischen Eindruck. Ich schätze 80 bis 90 Prozent der Arten, die wir hier fanden sind auch in Deutschland heimisch. Dazwischen tauchten aber immer wieder ausgesprochene Exoten auf. An den in dieser Jahreszeit noch frisch grünen und feuchten Rasenhängen fanden sich z.B. in verlassenen Erdlöchern von Grillen oder Mäusen überall fette Steatoda-paykulliana-Weibchen.

Nach einem Fischmal zum Abendbrot (aus eigener Zucht) hatten einige von uns immer noch nicht genug. Mit Stirnlampen und Sammelgefäßen bewaffnet untersuchten wir dann noch mal die nähere Umgebung des Hotels (zur Verwunderung der Personals).
9. Mauern am eingefassten Flusslauf und Hotelgebäuden. Hier erbeuteten wir neben Dysdera cf. ninii eine weiter riesige (1,5 cm), noch unbestimmte Dysdera-Art.

Am nächsten Vormittag (Mittwoch) nahmen wir uns noch einmal 2-3 Stunden Zeit, die nähere Umgebung zu untersuchen. Walter Fotografierte Orchideen, Mario und Johannes nahmen die Ruine eines alten Hauses auseinander. Für mich standen diesmal vor allem die feuchten Bachauen im Fokus. Ein Highlight war ein Pärchen von Xysticus luctator (wow, die Art ist wirklich groß!)

Auf unserer Rückreise nach Kroatien machten wir am Nachmittag noch einmal eine längere Sammelpause auf einem von Karstkratern durchsetzten Hochplateau auf bosnischer Seite. Hier gab es kaum höhere Vegetation, nur Rasen und Kalksteine. Die Spinnen-Individuendichte war dementsprechend geringer, aber die gefundenen Arten trotzdem sehr interessant, wie Martins bereits bestimmte Xysticus brevidentatus zeigt. Ich fand unter anderem eine interessant aussehende, große cf. Alopecosa und eine große Gnaphosa-Art.
10. Hochplateau in Bosnien

Am Donnerstag Vormittag fuhren wir noch einmal an die erste Sammelstelle an der Ostspitze von Ciovo. Die meisten nutzen nur einen Teil der Sammelzeit zum Spinnensuchen. Visa vi mit Split auf dem Festland lockte der herrliche Badestrand, das kristallklare Wasser und die Sonne einfach zu sehr.

Gegen Mittag gaben wir Martin wieder beim Flughafen ab und machten uns unverzüglich auf die Heimreise. Über die Unannehmlichkeiten der einzelnen Heimwege wurde ja schon berichtet.

Das kann die Erlebnisse und den Spaß den wir alle dort unten hatten aber keinesfalls schmälern. Ich habe etwa 90 lebende Spinnen mitgebracht – ein vielfaches davon in Alkohol. Wie Martins erste Bestimmungen schon durchblicken lassen wird die Aufarbeitung noch einmal so spannend, wie das Sammeln selbst. Zumal die Artenlisten von Kroatien und Bosnien gewiss nicht so vollständig sind, wie z.B. die deutsche.

Vielen Dank möchte ich dem kühnen Organisator Mario aussprechen für diese wieder mal gelungene und hoch interessante Sammelreise und die unterhaltsamen Abende und das Bier ;)
Auch ein großer Dank an Dragen für die Hilfe in den fremden Ländern und die Führung vor Ort und die Geduld mit uns Freaks, die an den langweiligsten Orten stundenlang bleiben wollen.
Und vielen Dank an Rudi fürs ausdauernde Autofahren.

So, das wars erst mal. Weitere Eindrücke (und vor allem Fotos) bitte anhängen. Ich habe oben die Sammelorte durchnummeriert, damit man sich darauf beziehen kann.

Arno
« Letzte Änderung: 2011-05-29 12:23:45 von Martin Lemke »

Martin Lemke

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3. Ein Plateau in der Inselmitte mit mediterraner Wiese, Steinmauern und -haufen


Mario mit Kescher


Arno schwärmt energiegeladen ins Gelände aus


Diese Steinhaufen beherbergten Philaeus chrysops und Holocnemus.


Diese Probe habe ich leider nicht wieder gefunden :-((

Martin
« Letzte Änderung: 2011-05-29 13:26:43 von Martin Lemke »

Martin Lemke

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4. Hügel oberhalb von Trogir.


Angekommen mit dem Ösi-Bus. Arno vorn, im Hintergund Philipp


Blick vom erkraxelten Hügel auf den Bus und die Umgebung


*igitt!* Spinnengetier!

Martin
« Letzte Änderung: 2011-05-29 13:48:19 von Martin Lemke »

Arno Grabolle

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Diese Probe habe ich leider nicht wieder gefunden :-((

Das macht nix. Das ist ein Jungtier von Uroctea durandi. Es wäre sowieso nicht genital bestimmbar gewesen.

Arno

pfeiffer

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Diese Probe habe ich leider nicht wieder gefunden :-((
Das macht nix. Das ist ein Jungtier von Uroctea durandi. Es wäre sowieso nicht genital bestimmbar gewesen.

Danke -- war mir bekannt, konnte nicht auf den Namen kommen.

Schöner Bericht und tolle Bilder -- danke allerseits!

-K

Arno Grabolle

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Nun habe ich auch ein paar Fotos:

1. (Sammelort 2) Südseite der Insel(Ostspitze). Hier steht eine kleine Kirche im Felsen. Das ist eine der wenigen touristischen Sehenswürdigkeiten auf der Insel.
2. (Sammelort 3) In der Mitte der Insel. Hier war es sehr schön – eine naturbelassene, heterogene Wiesen-Busch-Landschaft mit diesen Steinhaufen. Viele interessante Arten gab es hier.
3. Eine Heliophanus-Art
4. Ein Salticus (nehme ich an), der die weiße Behaarung von cingulatus noch um Längen in den Schatten stellt
5. O. lineatus
6. Die schon erwähnte Alopecosa von der Hochebene in Bosnien. Es ist eine relativ große Art (1,5 cm). Das Bild entstanden vor Ort.

Arno

Jörg Pageler

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Moin Arno,

Zitat
5. O. lineatus

schön, daß Du auch an den nächsten Kalender gedacht hast ;-)
Saß die wirklich so in der Blüte?

Jörg

Arno Grabolle

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... frei Hand aufgenommen, ohne Zusatzlicht. Die Schärfe und Tiefenschärfe sind etwas grenzwertig für einen Großformat-Abdruck.

Noch mehr Bilder:

1. Der Berg bei Trogir (Sammelort 4)
2. Wahrscheinlich Mendoza canestrini (ehemals Marpissa) – sehr große, bizarre Springspinne aus dem Schilfgürtel eines Flusses in Küstennähe (Sammelort 5)
3–7. Eindrücke vom Bergtälchen und Anglerhotel in Bosnien (Sammelort 8)
8. Alopecosa sulzeri, auch im Bergtal und auch sonst in Bosnien sehr häufige Art
9–11. auf dem Hochplateau in Bosnien (Sammelort 10)

Arno

Tobias

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Ach schön, Mendoza. Das gibt ja wieder sehr viele neue Arten fürs wiki.

Vlt. weißt du es ja schon, aber bei dem Heliophanus würde ich als erstes bei H. melinus gucken.

Tobias

Arno Grabolle

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Nein, wusste ich noch nicht. Danke für den Tipp!

Ich muss diese Woche erst mal so viele lebende Spinnen wie möglich nachfotografieren. Die ersten gehen bereits über den Jordan ...

Arno

Martin Lemke

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #10 am: 2011-05-30 13:20:49 »
Die ersten gehen bereits über den Jordan ...

Meine Steatoda paykulliana war bereits bei Ankunft verstorben. Die hatte ich wirklich für robuster gehalten.

Martin

Walter Pfliegler

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #11 am: 2011-05-30 19:16:49 »

Exkursionen

1. den Nordhang der Ostspitze mit Kiefernwald und Olivenhainen
2. den Kamm und die steile Südseite der Ostspitze mit Olivenhainen und Felsen.
3. Ein Plateau in der Inselmitte mit mediterraner Wiese, Steinmauern und -haufen
4. einen Hügel oberhalb von Trogir. Hier gab es vor allem trocken-heiße Rasengesellschaften mit vielen Kalksteinen, Felsen und ein paar Büschen.
5. den Unterlauf eines Flusses südlich von Split. Der Waldrand und breite Schilfgürtel hielten einige Überraschungen für uns bereit. Unter anderem fand Martin ein Olios-Weibchen.
6. an einer sandigen Abbruchkante am Rande einer weiten Aufschüttungsebene


Hallo, meine Habitatfotos zeige ich hier - nur die von Kroatien. Ich benutze die Nummern von Arno:

Drei Fotos von Kroatien 1. Hier hatte ich Zeit, ein Bisschen das Meeresfauna zu untersuchen/sammeln, ich werde einige Fotos später in meinem Naturfotoblog zeigen. Zuerst war es ein Überraschung, zumindest für mich, wie viele Skorpionen und Spinnenläufer hier unter Steinen man finden konnte. Mediterranische Spinnenartan waren überall, auch wie mediterranische Rollasseln und Insekten. Wenn ich mich richtig erinnere,habe ich hier kein einziges Mitteleuropäisches Insekt gefunden, nur südliche Arten.

Kroatien 4.
Hier beschäftigte ich mich vor allem mit:
- Fangschrecken,
- Schmetterlingshaften,
- Randnetzspinnen,
- Blumen.

Auch hier waren etwa 90% der auffällige Gliederfüsserarten solche, die bei uns nicht heimisch oder sehr selten sind.

Kroatien 6. Hier fand ich ein Schlingnatter, Martin fand ein 14 cm langes Erdläufer (Himantariidae) und Mario fand ein Empusa pennata Weibchen, eine sehr schöne Fangschrecke, die gerade eine Fliege bei mir hier in Debrecen frisst :-)


Walter
« Letzte Änderung: 2011-05-30 19:31:40 von Arno Grabolle »
Walter Pfliegler - Amateur Naturfotograf (und Molekular Biologe - Ungarn)

Katja Duske

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #12 am: 2011-05-30 19:21:22 »
Hallo Walter,

der Spinnenläufer-Link funktioniert nicht.

Katja

Arno Grabolle

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #13 am: 2011-05-30 19:34:11 »
... ich habs mal (vorübergehend) korrigiert. Bin mir nicht sicher, wohin Walter verlinken wollte.

„Randnetzspinnen“ sind übrigens solche Radnetzspinnen, die nicht in der Mitte des Netzes lauern, sondern am Rand ;)
(hübscher Vertipper)

Arno

Arno Grabolle

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #14 am: 2011-05-30 19:40:20 »
Meine Steatoda paykulliana war bereits bei Ankunft verstorben. Die hatte ich wirklich für robuster gehalten.

Meine beiden Exemplare auch. Scheinen recht empfindlich zu sein, was Staufeuchtigkeit angeht.

Arno

Walter Pfliegler

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #15 am: 2011-05-30 19:53:29 »
Noch 2 Gruppenfotos:
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Martin Lemke

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #16 am: 2011-05-31 11:09:38 »
Noch ein paar Fotos von der Insel...


Walter Pfliegler

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #17 am: 2011-05-31 12:10:27 »
Hallo, Flatterfiech ist Libelloides macaronius :-)
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Arno Grabolle

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #18 am: 2011-05-31 12:59:46 »
Auch von mir weitere Fotos von Spinnen:

1. Unter Moos in Kiefernwäldern auf der Insel, eine Enoplognatha (nicht thoracica)
2–4. Neben großen, auffälligen Springspinnen gab es an den Steinmauern auf diese Art, die unseren Pseudeophrys-Arten ähnlich sieht.
5. Auf dem stark besonnten Hügel bei Trogir fand ich diesen großen, langbeinigen Zodarion (schwer zu fotografieren)
6. Dysdera cf. ninnii vom Anglerhotel in Bosnien
7–8. Auf Ciovo fand ich neben subadulten Weibchen (die leider verstorben sind) dieses sehr kleine cf. Aphanthaulax-Männchen (KL. 2,5 mm)
9. Am Waldrand in der Nähe des Anglerhotels in Bosnien gab es diese größere Art der Gattung (7 mm)
Beide können unkontrollierbar schnell laufen. Ich musste befürchten, kein Foto machen zu können. Aber der Wassertrick (Steine bzw. Blätter liegen in Schale mit Wasser) funktionierte gut. Sie haben ziemlichen Respekt vor Wasser.

Beim Fotografieren habe ich bei beiden Arten eine interessante Verhaltensweise beobachtet: Sie liefen auf der Suche nach einem Fluchtweg über die Buchenblätter, die ich einen Tag zuvor von draußen reingeholt hatte. Dann blieben sie immer wieder unvermittelt stehen und suchen auf der Blattoberfläche nach irgendwas, in dem sie den Bereich kleinräumig mit Plapen und Vorderbeinen abtasteteten. Zuerst dachte ich, sie wären auf einen kleinen Wassertropfen gestoßen und hätten Durst – so verhalten sich durstige Spinnen üblicherweise. Aber Wasser war genug rings um das Blatt vorhanden. Der Zusammenstoß mit der Wasseroberfläche löste dieses Verhalten nicht aus. Irgend etwas anderes, was für mich unsichtbar auf der Blattoberfläche war, löste immer wieder diese Handlung aus.
Nach dem Fotoshooting untersuchte ich die Blattoberfläche unter dem Bino. Und siehe da, es gab dort winzige Tröpfchen einer etwas klebrigen Flüssigkeit. Ich nehme an, dass es sich um Honigtau handelt.

Arno


Martin Lemke

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #19 am: 2011-05-31 13:57:46 »
Auch von mir weitere Fotos von Spinnen

Hast Du die alle zuhause gemacht?

Martin

Arno Grabolle

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #20 am: 2011-05-31 14:32:03 »
Ja, nur das erste von der Enoplognatha mit den Kokons ist vor Ort entstanden. Das ist dann auch das letzte Vor-Ort-Spinnenbild. Alles was jetzt kommt sind nachfotografierte Sachen. Und wenn mich Geduld und Ausdauer nicht verlassen, kommen da noch eine Menge ...

Arno

Walter Pfliegler

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #21 am: 2011-06-01 08:15:08 »
Hallo, ich bin fast fertig mit den lebenden Tieren, ich habe bis auf 30 Bosnische Gliederfüsser alles fotografiert. Ich zeige einige Kroatische Spinnen:

Cyrba algerica
habe ich auf Ciovo gefunden, ich zeige Männchen, Weibchen und Jungtier (cf, in dieser bin ich nicht sicher) {Ort 3}

Filistata insidiatrix Weibchen (Danke Arno für Hilfe mit einfangen), eine sehr auffällig gebildete Art die man fast nie sieht, sie sind immer in ihren Verstecken {Ort 2}

Eine schöne Philodromus-Weibchen {Ort 1}

Eine komische, sehr kleine Springspinne, keine Ahnung, was es sein könnte {Ort 2} (-> Synageles dalmaticus det. Mario)

Zwei schöne, auch kleine Springspinnen {Ort 3}

Ein Weibchen von dieser kleptoparasitischen Theridiidae-Art, Argyrodes spec. {Ort 2}

Uroctea durandi Weibchen (etwa 6 mm lang, wunderschöne Art!) {Ort 4}

Walter
« Letzte Änderung: 2011-06-01 15:39:20 von Walter Pfliegler »
Walter Pfliegler - Amateur Naturfotograf (und Molekular Biologe - Ungarn)

Martin Lemke

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #22 am: 2011-06-01 08:54:51 »
Ja, nur das erste von der Enoplognatha mit den Kokons ist vor Ort entstanden. Das ist dann auch das letzte Vor-Ort-Spinnenbild.

Für mich hat sich die Schlepperei mit dem Macro nicht gelohnt. Viele Bilder sind in letzter Konsequenz ziemlich schlecht geworden; trotz Blitz. Man muss sich wohl entscheiden, ob man sammeln oder fotografieren will.

Für Norwegen ist mir das eine Lehre. Ich werde da nur noch die Landschaft und das Event fotografieren und keine sprerrige und schwere Macroausrüstung mitnehmen. Für das Fotografieren zuhause fehlt mir die Geduld und die Hingabe.

@Arno & Walter: Tolle Fotos habt Ihr zuhause gemacht. Man muss sie wohl wirkch zuhause machen, um auf diese Qualität zu kommen.

Martin
« Letzte Änderung: 2011-06-01 08:59:15 von Martin Lemke »

Mario Freudenschuss

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #23 am: 2011-06-01 09:26:34 »
Hallo Walter,

die "komische" Springspinne wird wie bei mir Synageles dalmaticus (hoffe man schreibt die so, bin nämlich in der Arbeit) sein.

Gruss
Mario
« Letzte Änderung: 2011-06-01 09:30:08 von Arno Grabolle »

Arno Grabolle

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #24 am: 2011-06-01 09:41:09 »
@Martin: halt halt, Walters Fotos sind überwiegend vor Ort entstanden. Bei einigen habe ich geholfen, die Spinne auf dem Fußweg im Zaum zu halten, während Walter abgedrückt hat. Diese Methode ist sehr effektiv – man muss nur immer zu zweit sein ...

In Norwegen werden wir voraussichtlich sehr viele kleine und Kleinstlinyphiiden finden. Da lohnt es sich wahrscheinlich auch nicht oder würde mit dem Fotografieren vor Ort zu schwierig. Meistens hat man das Netz der Linyphiide bereits zerstört und die Spinne ganz hektisch gemacht, bevor man sie entdeckt hat. Aber vielleicht unterschätze ich das auch und es gibt mehr „normale“ Spinnen, als ich erwarte. Ich denke, ich werde das Makro-Fotozeug zur Sicherheit mitnehmen.

@Walter: Das Springspinnen-Männchen mit den Streifen auf dem Opisth. (PK2904) ist wahrscheinlich das Männchen zu meinem H. cf. melinus (Tipp von Tobias).

Arno


Sylvia Voss

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #25 am: 2011-06-01 09:49:24 »
Hallo zusammen
Bisher wunderschöne Bilder und so ein bischen sehnsuchtsvolles "Exkursion am Bildschirm Miterleben"...Danke!
Heute hat mich am meisten Walters Frontal - Bild mit dem Gesicht der "Ausserirdischen" Filistata- Frau beeindruckt, einfach grandios!
Liebe Grüße
Sylvia
« Letzte Änderung: 2011-06-01 12:44:17 von Sylvia Voss »

Martin Lemke

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #26 am: 2011-06-01 10:05:33 »
@Martin: halt halt, Walters Fotos sind überwiegend vor Ort entstanden.

Zudem war seine Ausrüstung leichter. Meine Kamera wiegt über 600 g und das Macroobjektiv 1100 g; das ganze Gebilde hat also deutliche Vorderlast. Mit so einem Gerödel kann man eigentlich nur mit Stativ gute Fotos machen. Walters Bridgekamera-Ausrüstung war geländetauglicher. Trotz seiner abenteuerlichen Blitzkontruktion.

Ich war hinsichtlich der Reise unsicher, ob ich lieber sammeln oder fotografieren sollte. Ich habe darum wichtige Erfahrungen gesammelt. Ich werde künftig vornehmlich sammeln und das Fotografieren lebender Spinnen überlasse ich jenen, die das besser machen als ich. Ich bin einfach kein Tüftler.

BTW: Bei der Suche nach dem Gewicht meines Macros, habe ich festgestellt, dass es bei Sigma durch ein Modell mit Bildstabilisator ersetzt wurde. Damit kostet es jetzt das doppelte: Sigma Macro 150mm F2.8 EX DG OS HSM 1299 €. Das werde ich nicht investieren.

Martin

Walter Pfliegler

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #27 am: 2011-06-01 10:25:39 »
@Martin: halt halt, Walters Fotos sind überwiegend vor Ort entstanden.

Zudem war seine Ausrüstung leichter. Meine Kamera wiegt über 600 g und das Macroobjektiv 1100 g; das ganze Gebilde hat also deutliche Vorderlast. Mit so einem Gerödel kann man eigentlich nur mit Stativ gute Fotos machen. Walters Bridgekamera-Ausrüstung war geländetauglicher. Trotz seiner abenteuerlichen Blitzkontruktion.


Hallo, von den hier gezeigten Spinnenbilder habe ich nur das Philodromus in Kroatien fotografiert, die andere in Debrecen, zu Hause. Ich benutzte das Bridgekamera nur für Habitatfotos, in Kroatien und zu Hause benutze ich mein Pentax K7 für Tierfotos, das wiegt auch etwa 600 g. Mein Objektiv ist nicht so schwer, etwa 300-400 gramm. Aber das Blitz und das Blitzsystem war doch shwer :-) Ich zeige heute Bilder, die ich in Kroatien gemacht habe.

Danke fürs Hilfe mit Art/Gattungbestimmung!
Walter
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Arno Grabolle

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #28 am: 2011-06-01 21:58:28 »
Weitere nachfotografierte Spinnen:

1. eine noch unbestimmte Gnaphoside von der Insel
2. cf. Zelotes vom Hügel bei Trogir
3–5. Unter größeren Steinen auf diesem Hügel fand ich solche Amaurobiden (relativ klein für unsere Verhältnisse). Ich denke es ist die gleiche Art, die ich auch unter Totholz auf der Insel fand.
6.–8. Diesen Philodromus habe ich subadult eingesammelt. Zu Hause war er fast tot. Ich habe ihn wieder aufgepäppelt und er dankte es mir gestern mit der geglückten Adulthäutung.
9. Der Olios, den Martin am Fluss südlich von Split kescherte, gab gestern unerwartet den Löffel ab. Eigentlich ging es ihm gut, er hatte vor ein paar Tagen sogar noch eine große Motte verspeist. Und ich fürchte, er war noch nicht einmal reif ...
Das 2. Bein links fehlte. So was ist immer ärgerlich, weil es immer einen ziemlichen Retuscheaufwand für mich bedeutet.
10. Die Pirata, die ich im Schilf an jenem Fluss fand, sieht irgendwie aus wie P. hygrophilus.
11. An einem wasserüberspülten Weg in der Nähe des Anglerhotels in Bosnien fand ich dieses Arctosa-Männchen. Dank des A.-maculatus-Männchens, dass Eveline mir kurz vor Kroatien zuschickte, konnte ich es sofort zuordnen. Wenn ich jetzt die Fotos vergleiche ... sie sehen aus wie Zwillinge.
12. Eine Springspinne von der Außenwand des Hotels ...
13. Und noch mal die Dysdera, über die es schon einen langen Bestimmungsthread gibt.

Arno

Tobias

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Re: Reisebericht Sammelexkursion Kroatien und Bosnien-Herzegovina
« Antwort #29 am: 2011-06-01 22:19:28 »
Schöne Bilder, die Zelotes sieht aus wie extra poliert.

Die Springspinne ist wahrscheinlich Macaroeris nidicolens.

Tobias